
Flechten als Bioindikatoren
Flechten - Erfolgreiche Symbiosen
Flechten sind eine sehr erfolgreiche Symbiose aus Pilzen und Algen
Symbiosen
Flechten sind Symbiosen, die von einem Mycobionten (meistens Schlauchpilze) und einem Photobionten (meistens Grünalgen) gebildet werden. Der Pilz schützt die Alge vor Umwelteinflüssen wie Strahlung, im Gegenzug versorgt die Alge den Pilz mit Glucose und in manchen Fällen Stickstoff.
Luft und Liebe
Flechten besitzen im Gegensatz zu höheren Pflanzen keine Wachsschicht, die sie vor Austrocknung schützt. Dadurch können Sie Wasser, CO2 und Nährstoffe direkt aus der Luft aufnehmen. Wenn die Flechten austrocknen, stellen sie ihre physiologische Aktivität und können diese bei ausreichender Luftfeuchtigkeit einfach wieder aufnehmen.

Bioindikatoren
Da Flechten sich nicht von der Umwelt abschirmen können, reagieren sie sehr empfindlich auf Verschmutzungen. Der Eintrag von saurem Regen aus Kohlekraftanlagen und reaktiven Stickstoff aus der Landwirtschaft und dem Verkehr haben in den letzten Jahrzehnten viele Arten zurückgehen oder aussterben lassen. Die Flechten nehmen Schwermetalle und reaktiven Stickstoff wie ein Schwamm auf, sodass sie sich sehr gut eignen um Schadstoffeinträge vor Ort zu bestimmen.
Auf dem Rückgang
Von den ca. 200 Flechtenarten in Bayern sind 44% in der Roten Liste geführt. Viele Arten sind vom Aussterben bedroht, bereits verschollen oder stark im Rückgang begriffen. Dies ist insbesondere auf Lebensraumverlust, Eutro-phierung, Land- und Forstwirtschaft und den Klimawandel zurückzuführen. Von manchen Arten sind nur noch einzelne Individuen bekannt.
Klimabiomonitoring
03
DEZ
2025
Montan-alpine Erhebung
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) fragte im Sommer 2025 an, ob ich Interesse an einer Flechtenkartierung habe. Für ein Klimabiomonitoring sollen verschiedene Thermophile Flechtenarten im Landkreis Berchtesgaden und Garmisch-Partenkirchen erhoben werden. Mittlerweile habe ich den Zuschlag erhalten und werde die Kartierung mit meinem guten Freund und Exkursionskollegen Tobias Karlowski durchführen. Als Vegetationsökologe an der Salzburger Umweltanwaltschaft ist er nicht nur in der Lage anhand der Pflanzen die kleinklimatischen Verhältnisse vor Ort abzuschätzen - er ist auch ein sehr guter Lichenologe, der die Flechtenerhebung nach VDI-Vorgaben bereits in seiner Masterarbeit durchgeführt hat.
In einer ersten Begehung im Landkreis Berchtesgaden im November 2025 haben wir drei potenzielle Standorte auf ihre Eignung für das Monitoring hin untersucht: Den Eisbach bei Bartholomä am Königsee, das Klausbachtal und das Wimbachgries. Wir konnten einen dieser Standorte für das Monitoring ausmachen und werden nun mit dem LfU die Erhebung nächstes Jahr planen.
Neben den für das Projekt relevanten Klimawandelzeiger-Arten Parmelia caperata, Parmelia soredians, Punctelia subrudecta, Parmotrema perlatum und Melanohalea elegans konnten wir eine ganze Reihe hochozeanische Flechtenarten nachweisen, die in ihrem Bestand extrem selten oder vom Aussterben bedroht sind. So zum Beispiel Lobaria pulmonaria, Heterodermia speciosa, Collema nigrescens, Sticta sylvatica, Parmeliella triptophylla und Pannaria connoplea. Die Arten sind aufgrund ihren hohen Ansprüchen an extrem saubere Luft vom Aussterben bedroht und wir finden diese meist nur an sehr alten, frei stehenden Bergahornen. Wir hoffen mit diesen zusätzlichen Erhebungen die Wissenslücken über die Verbreitung der Arten in den Alpen schließen zu können.
Die Begehung in Garmisch-Partenkirchen ist für 2026 geplant, hier werden wir uns auf das Graswangtal fokussieren, wo wir ebenfalls sehr seltene hochozeanische Flechtenarten nachweisen konnten.





Artenkenntnis-
Wochenende
Garmisch-Partenkirchen 2025

Flechten im Graswangtal
Führung für die ANL und NAJU Bayern
Das zweite Artenkenntniswochenende 2025 fand vom 19. bis 20. Juli in Garmisch-Partenkirchen statt. Es war meine vierte Führung als Flechtenreferent. Neben all den tollen Arten freue ich mich insbesondere immer auf die bekannten und neuen Gesichter und den Teilnehmern und Referenten. Mittlerweile bin ich dort gut vernetzt und immer gespannt die neuesten Entwicklungen im Naturschutz zu erfahren. Auch dieses mal habe ich drei Führungen zu Flechten angeboten. Die ersten beiden Exkursionen gingen zum Schlosspark Linderhof im Graswangtal. Die Location ist mir von früheren privaten Führungen gut bekannt und so konnte ich ohne Übertreibung versprechen, einige der seltensten Arten in Deutschland zeigen zu können,
Von der Jugendherberge in Garmisch wurden wir von den Teamern im Bus erst über steile Serpentinen nach Ettal gefahren, von dort aus öffnet sich das romantische Graswangtal Richtung Westen ins Ammergebirge. Neben der Straße läuft die Linder mit den beeindruckenden Kiesbänken und den alten Erlenbruchwäldern. Nach ca. 20 min Fahr erreichen wir das Ziel Schloss Linderhof. Der Publikumsverkehr am Wochenende ist groß, aber nachdem wir das Schloss hinter uns gelassen haben wurde es schnell leerer. Die Parklandschaft bietet große Streuwiesen, gespickt mit großen Rotbuchen, Fichten und Ahornen. Je weiter wir in die alte Hüteweide eindringen, umso häufiger werden die seltenen Flechtenarten. Bereits am Parkeingang konnte ich große Lager der Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) und beeindruckend lange Lager der Bartflechte (Usnea dasypoga) zeigen, die alleine schon durch ihre Größe auffallen. Der Stamm mancher Rotbuchen war durch die gewöhnliche Schüsselflechte (Flavoparmelia caperata) über Quadratmeter in ein Pastellgelb getaucht und vermittelte einen guten Eindruck über die Ausmaße, die manche Flechtenarten erreichen können. Die Highlights kamen aber zum Schluss, ich habe jetzt schon öfters die Erfahrung gemacht, dass die Rinde von Mehlbeeren (Sorbus sp.) ein sehr geeignetes Substrat für eine vielzahl extrem seltener Arten darstellt. Auf einem kleinen Exemplar nenben einem Teich wachsen die Schöne Wimpernflechte (Heterodermia speciosa), die schwärzliche Leimflechte (Collema nigrescens) und die Wald-Grübchenflechte (Sticta sylvatica). Die Teilnehmer sind angetan von der Vielfalt der Formen und Farben, bestimmen fleißig mit der Literatur selber nach und machen sich Notizen. Wir lassen die Führung mit einer kalten Limo und Käsebrot ausklinken.
Die dritte Führung geht nicht zum Schloss Linderhof, sondern bei Graswang ins Kühalpenbachtal. Die Erhebung von Türk et. al. (2018) lässt auf einige Highlights hoffe, und bereits an den alten Linden an der Kapelle am Fuß des Tales finden wir schöne Lager verschiedener Astflechten (Ramalina sp.) und von Punktflechten (Punctelia sp.). Als wir das Tal betreten werden wir bald von Bremsen umzingelt und als wir in eine alte Hochstaudenflur einbiegen, können wir uns kaum noch retten. Dafür sind die Fichten pastellfarben von rießigen Exemplaren der Bartflechte (Usnea dasypoga). Wir folgen dem Schotterweg am Bach entlang und finden uns zwischen großen Rotbuchen am Hang und alten Bergahornen am Ufer wieder. Es wirkt sehr urig, aber die Insekten fressen uns auf. An den Quellhangmoren kann ich schöne Exemplare der Jenenser Grubenflechte (Gyalecta jenensis) zeigen , von denen nur die orangenen Apothecien auf dem grauen Kalkstein zu erkennen sind. Wir kühlen uns am Wasserfall ab und erkunden die Umgebung, im feuchten Schatten des Wassers können wir uns von der Hitze und den fliegenden Plagegeister erholen. Für Flechtenexkursionen eignen sich einfach die Monate Oktober-November, sowie März bis Mai. Die Teilnehmer sind trotzdem sehr dankbar für die Exkursion und im Nachgang wird noch viel über die verschiedenen Arten diskutiert. Ich freue mich bereits jetzt auf die nächste Veranstaltung.
Galerie

Artenkenntnis-
wochenende
Füssen 2024

Flechten im Sägertal
Führung für die ANL und NAJU
Mir bereitet es sehr viel Freude, mein Wissen und meine Faszination direkt in der Natur mit anderen Menschen zu teilen. Vor allem Studenten sind in ihrem Studium häufig so mit dem Aufbereiten von Vorlesungen, Praxissemestern und ihrem Leben beschäftigt, dass die kleinen Freuden des Lebens oft untergehen. Exkursionen bieten eine sehr schöne Abwechslung zu Hörsälen, Bibliotheken und Laboren dar und bringen die Studenten wieder mit der eigentlichen Materie ihres Faches in Kontakt. Die Artenkenntnis-Wochenenden der ANL und der NAJU Bayern setzen genau hier an, denn auch die Behörden haben mittlerweile bemerkt dass ein eklatanter Mangel an Artenkennern herrscht. Nicht nur die Forschung ist in den wissenschaftlichen Sammlungen auf Experten für Artengruppen angewiesen, auch für Genehmigungsverfahren, Ausgleichsmaßnahmen und Schutzprojekte werden zwingend Fachleute mit Artenkenntnis und Expertise benötigt. Für einen Beitrag von 25 € können sich junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren für die Artenkenntniswochenenden anmelden, Unterkunft, Verpflegung und Führungen zu verschiedenen Artengruppen inklusive. Mittlerweile wird das Projekt vollständig vom Umweltministerium gefördert.
Im Mai 2024 war ich als Referent in Füssen für die Führung zu Flechten und Pilze eingeladen, die ich mit meinem guten Freund Tobias Karlowski von der Salzburger Umweltanwaltschaft angeboten habe. Das Wetter war verregnet, die meisten Führungen vielen ins Wasser und so gingen die Ornithologen und Entomologen fast leer aus, selbst die Herpetologen hatten ihre Probleme mit überfluteten Wiesen und einer verstummten Vogelwelt. Für die lichenologischen Führungen war das Wetter perfekt, wir hatten sogar auf Regen gehofft und fest damit gerechnet. Der Vorteil an Flechten ist, dass diese Artengruppe ganzjährig beobachtet werden kann, im Winter oftmals sogar besser als im Sommer. Bei ausreichend Niederschlag quellen die Flechten auf und zeigen sich in ihrer vollen Pracht. Die Arten, die wir den Studenten näher bringen wollten sind alle ozeanisch und nur an Standorten mit extrem sauberer Luft und hohem Niederschlag zu finden. So gingen unsere Exkursionen in das Sägertal im Ammergebirge. Die Anreise dauerte zwar ca. 30 min mit dem Auto, aber die Aussicht auf den herrlichen Plansee entschädigte dies. Das Sägertal verläuft als Quertal zum Graswangtal und weist noch große Bestände an alten Bergahornen auf, die von einer früheren Nutzung als Hütewälder und Almen zeugen. Hier blieben über Jahrhunderte hinweg größere Veränderungen in der Landschaft aus, sodass viele sensible Arten sich halten konnten. Der Niederschlag von über 2.000 mm im Jahr lässt an den Hängen Hochstaudenfluren mit Pestwurz entstehen, fördert epiphytisches Wachstum von Moosen und Farnen und lässt einen in einen kleinen Urwald inmitten des Ammergebirges eintauchen. Der Sägertalbach vervollständigt nicht nur diesen Eindruck, sondern fördert auch noch weiter die Feuchtigkeit in diesem Tal.
Wir steigen aus dem Bus, es regnet in Strömen und alle Teilnehmer sind dick in wasserdichte Kleidung und Gummistiefel gepackt. Ich habe mir extra für dieses Wochenende einen großen stabilen Regenschirm besorgt, um meine Kamera, das Bestimmungsbuch, unvorbereitete Studenten und vor allem mich vor den Wassermassen zu schützen. Gleich am Anfang vom Tal finden wir große Exemplare der Lungenflechte (Lobaria pulmonaria), die in saftig grünen Lappen von den Ästen der Ahorne und Buchen am Bach hängen. Darunter wachsen große Lager von Schüsselflechten (Cetrelia sp.), die in ihren türkisen Farben mit weiße Bortensoralen ihrem englischen Namen Sea-Storm-Lichens gerecht werden. Weiter oben im Tal an einem solitären Bergahorn wachsen sehr große Lager der vom aussterben bedrohten Waldgrübchenflechte (Sticta sylvatica). An manchen Bäumen scheinen die Äste mehr weiß als grün von all den Bartflechten (Usnea dasypoga) und Mehligen Astflechten (Ramalina farinacea).
Trotz des strömenden Regens sind die Teilnehmer begeistert und stellen angeregte Fragen, am Abend werden unter dem Binocular mit Hilfe der einschlägigen Bestimmungsliteratur noch Funde nachbestimmt und Merkmale erklärt. Auch wenn die drei Führungen auf Dauer anstrengend sind, so nehme ich doch jedesmal viele schöne Erfahrungen und Freundschaften mit nach Hause.
Eindrücke Sägertal
Artenkenntniswochenende Füssen 2024

Artenkenntnis-
Wochenende
Pottenstein 2023

Flechten der Kalktrockenrasen
Führung für die ANL und NAJU 19.-21.05.2023
Das Artenkenntniswochenende in Pottenstein vom 19. - 21.05.2025 war ein Heimspiel für mich. Die Trockenrasen um Pottenstein zählen, trotz dem touristischen Zulauf, zu den schönsten und artenreichsten in Oberfranken. Neben den botanischen Besonderheiten wie dem immergrünen Felsenblümchen (Draba aizoides) und anderen postglazialen Reliktarten kommt eine ganze Reihe von Flechten-Arten als bunte Erdflechten-Gesellschaften vor.
Doch zurück zum Anfang: An die 100 interessierte Studenten aus ganz Bayern reisten für das Wochenende nach Oberfranken. Die Begrüßung fand in Pegnitz im Gemeindesaal statt, danach ging es mit dem Auto nach Pottenstein. Als Unterkünfte dienten uns das Schullandheim und die Jugendherberge. Eine Location alleine hätte die Vielzahl der Studenten nicht fassen können.
Die Führungen am Samstagvormittag und -nachmittag, sowie am Sonntagvormittag habe ich alleine gegeben, da Tobias Karlowski nicht als Referent teilnahm. Dafür hatten wir bestes Wetter und fast schon sommerliche Temperaturen. Um den Studenten die teilweise sehr kleinen Arten besser vor Augen führen zu können, habe ich diese mit meinem Makroobjektiv fotografiert und im Anschluss die Bilder präsentiert. Der größte Lernerfolg stellt sich jedoch ein, wenn die Teilnehmer selber mit einer Lupe die feinen Strukturen am Boden und auf den Felsen untersuche können.
Die Überraschung ist immer große, wenn die Teilnehmer auf einmal die Vielfalt an Formen und Farben zwischen ihren Füßen erkennen. Die bunten Erdflechtengesellschaften werden in den Naturschutzgebieten vor Ort als schützenswert geführt und es gibt sogar einige öffentliche Aufklärung zu diesem doch oft übersehenem Thema. Arten wie die Rotbraune Lederflechte (Placidium rufescens), Braunschuppe (Romjularia lurida), Rotschuppe (Psora decipiens), Blaugraue Blasenflechte (Tholloidima sedifolium), sowie die Falsche Rentierflechte (Cladonia rangiformis) und die Rosettige Becherflechte (Cladonia pocillum) wachsen auf den trockenen, mageren und heißen Kalkmagerrasen. Eine Besonderheit ist die Moos-Raureifflechte (Physcnia muscigena), die ich außer hier nur noch in Sibirien an der Kolyma gefunden habe. Zwischen der schütteren Vegetation sind sie mit ein bisschen Suchen gut auszumachen. Wie kleine Farbtupfer auf einer braun-grauen Leinwand wachsen die bunten Arten als einzelne Lager, oder in- und übereinander über, sodass auf wenigen Quadratcentimetern ein eigener Mikrokosmos entsteht.
Auf den Kalkfelsen, die zwischen den Wacholderbüschen auf den Kalkmagerrasen hervorstehen, hat sich ebenfalls eine reiche Flechten-Flora etabliert. Mit ihren knalligen orangenen und gelben Lager stechen Arten wie Hepps Schönfleck (Variospora flavescens) auch dem Laien sofort ins Auge. An anderer Stelle überziehen die großen hellgrünen Lager der Platten-Schuppenkruste (Squamarina cartilaginea) mit ihren orangenen Lagern den Kalkstein und Dolomit. Andere Arten wie der Schwarze Tintenfleck sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen, ihr Name wird aber durch das blaue Vorlager schnell ersichtlich.
Auf den Bäumen und in den Schlehenhecken an den Rändern der Trockenrasen lassen sich weitere schöne Arten wie das Eichenmoos (Evernia prunastri), die Eschenflechte (Ramalina farinacea) oder die Gewöhnliche Bartflechte (Usnea dasypoga) ausfindig machen.
Das Wochenende war für mich eine schöne Erfahrung und ich konnte mal wieder neue Freundschaften schließen und Erfahrungen austauschen.
Galerie

Artenkenntnis-
wochenende
Burg Rothenfels
2022

Pilze und Flechten im Spessart
Führung für die ANL und NAJU
Das erste Artenkenntnis-wochenende an dem ich teilgenommen habe war auch erst das zweite, das von der NAJU ausgerichtet wurde. Die Finanzierung lief über die ANL und das StMUV. Im September 2022 hat fand die Veranstaltung auf der Burg Rothenfels im Landkreis Main-Spessart statt. Die Dürre hatte in Unterfranken schon zugeschlagen und weite Teile der Region waren bereits ausgedörrt und von der Sonne Braun verbrannt. Nicht die besten Bedingungen, weder für Lichenologen, Herpetologen, Ornithologen und vor allem für die Botaniker. Ich hatte das große Glück einen sehr kompetenten und erfahrenen Naturschützer an meine Seite zu bekommen, Walter Malkmus ist seit Jahrzehnten im Naturschutz vor Ort aktiv, Kartiert und hat mehrere Publikationen veröffentlicht, vor allem zu den Orchideen des Landkreises. Für seinen Einsatz erhielt er dieses Jahr sogar die Bayerische Staatsmedaille.
Der alte Mann mit seiner ruhigen Ausstrahlung, seinem weißen Bart und seiner klaren Stimme war mir sofort sympathisch. Die Exkursionen gingen ins Naturschutzgebiet Metzger, einem kleinen aber uralten Buchenwald in der Mitte des Spessarts. Schon beim Betreten des Waldes wird man ehrfürchtig vor den riesigen 200 Jahre alten Buchen, die sich wie eine grüne Halle über unseren Köpfen schlossen und nur wenig Licht bis auf den Boden fielen ließen. Schwerpunkt der Exkursion waren Pilze und Flechten, wobei Herr Malkmus viel zu den Holzzersetzenden Pilzarten erzählte und ich mein Wissen zu den Flechten ergänzte. Durch das Alter des Waldes gibt es alle Zersetzungsstadien von Totholz. Vom stehenden Baum mit Spechtlöchern, bis zur Braun- und Weißfäule am Boden. Eine ganze Reihe von Holzpilze hat sich auf die einzelnen Stadien spezialisiert und wird ihrerseits wieder von holzbewohnenden Insekten gefressen. So haben wir z.B. auch Hirschkäferweibchen gefunden. Besonders interessant zu beobachten war auch die sogenannte Geotropie - ein Phänomen bei dem die Pilzkonsolen am Stamm ihre Wachstumsrichtung ändern, wenn dieser umfällt. Ich war selber sehr imponiert von den sehr seltenen Holzpilzarten wie den riesigen Konsolen des Ästigen Stachelbarts (Hericium coralloides) und des Riesenporlings (Meripilus giganteus) sowie dem sehr ästhetischem dem Moosaikschichtpilz (Xylobus frustulatus). Auch der Gemeine Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) kam in beeindruckend großen Lagern auf dem liegenden Totholz vor.
Was die Flechten anging, so konnte ich nur sporadisch Exemplare zeigen. Die dichten Buchenwälder mit ihrer glatten Rinde und geringem Lichteinfall stellen keinen besonders geeigneten Lebensraum für viele Flechtenarten dar. Die Arten die wir jedoch fanden, stoßen auf reges Interesse und Begeisterung. Die Braune Köpfchenflechte (Baeomyces rufus) auf dem roten Sandstein mit ihren kleinen orangenen Podetien wurden ebenso bewundert wie die Gewöhnliche Porenflechte (Pertusaria pertusa). Am auffälligsten waren die prächtigen Cladonien, wie die Finger-Scharlachflechte (Cladonia digitata) mit ihrem roten Maezedium oder die Gabel-Säulenflechte (Cladonia furcata) mit braunem Maezedium. Als Fotomotive sind sie sogar bei Laien bekannt und beliebt. Das Feedback war zum allergrößten sehr Positiv und die Führung wurde sogar als die Schönste des Wochenendes gekührt. Das Besondere an Flechten ist, dass sie mit ihren Formen und Farben eine ganz anderen Mikrokosmos eröffnen und dauerhaft den Blick der Menschen auf die Welt verändern.
Galerie
Online-Vortrag
























































