
Buch-
Rezensionen
23
Sep
2026
Wale. Geheimnisvolle Riesen. Ein interaktives Spielbuch.
Ortega Rena (2026).
Wale. Geheminisvolle Riesen. Ein interaktives Spielbuch.
Arzier (CH): Léman Publishing. 50 Seiten.
ISBN: 978-2-9701720-5-5.
https://www.leman-publishing.com/shop/p/wale-geheimnisvolle-riesen-1
Zielgruppe
Das Buch eignet sich für Kinder ab sieben Jahren und fordert von den jungen Leserinnen und Lesern Auffassungsgabe, Fokus und logisches Denken. Auch wer noch keinen Kontakt mit der Meereswelt hatte, wird sich schnell in den schönen Illustrationen und spannenden Informationen verlieren. Freude am Rätseln und Malen werden gefordert und gefördert und sind ein fester Bestandteil des Buches. Auch für Erwachsene bietet das Buch eine Reihe interessanter Fakten zur Biologie und zur Bestimmung verschiedener Walarten. Neues Wissen und ein klarer Lernerfolg sind für jedes Alter fast garantiert.
Bibliografische Angaben
Das Buch Wale. Geheimnisvolle Riesen erschien im September 2026 bei Léman Publishing im Hardcover-Format (27 × 34 cm) und reiht sich in die Serie der bereits erschienenen Abenteuer-Spielbücher „Bienen“ und „Birding“ ein. Das aktuelle Werk von der spanischen Autorin Rena Ortega erschien ursprünglich 2023 in ihrer Muttersprache bei „Mosquito Books“in Barcelona. Das großformatige Buch ist mit zahlreichen, gemalten Illustrationen versehen und führt die Leserinnen und Leser von Seite eins an in eine ansprechende Unterwasserwelt. Der Stil ist verspielt und zugleich naturnah und realistisch, sodass jederzeit die abgebildeten Tiere einzelnen Arten zugeordnet werden können. Als
Abenteuer-Spielbuch animieren zahlreiche Spiele, Quizze und Mal-Möglichkeiten die Leser sich selber mit den vermittelten Inhalten auf fachlicher und künstlerischer Ebene auseinanderzusetzen. Auch für Eltern bereitet dieses pädagogische Konzept Freude und schafft es auch detaillierte Informationen nachhaltig zu lernen. Das verwendete Papier ist hochwertig und lässt die Seiten angenehm wirken, der Verzicht auf ein Polymercoating lässt die Seiten gut in der Hand liegen und erlaubt problemlos im Buch zu schreiben und zu malen. Besonders lobenswert sind die zusätzlichen Online-Angebote auf der Webseite des Verlages, die weitere Informationen zu der Welt der Wale in Deutschland
und weltweit bereitstellen. Hier wurde Wert auf einen wissenschaftlichen, nachhaltigen und regionalen Umweltbildungsansatz gelegt.
Einleitung
Wale sind die größten und bekanntesten Meerestiere des Planeten. Sie sind fester Bestandteil unserer Vorstellung vom Meer, und viele Menschen empfinden eine große Sympathie für die Tiere. Ihr soziales Verhalten, das Säugen ihrer Jungtiere, ihre Intelligenz und nicht zuletzt ihre umfangreichen Gesänge lassen viele Vergleiche zu unserer eigenen Spezies zu. Weltweit existieren rund 90 Arten, die in Bartenwalen, Zahnwale und Delfine unterschieden werden. Jede Art ist auf ihre Weise perfekt auf das Leben im Meer angepasst und vollbringt erstaunliche Leistungen. So ist der Blauwal das schwerste Tier, das je den Planeten besiedelt hat und der Grauwal legt jedes Jahr auf seinen Wanderungen unglaubliche Strecken zurück. Bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen sind Wale Sympathieträgern, die sich durch ihre Lebensweise meistens unserem Verständnis entziehen. Genau hier setzt das Buch an. Tauchen Sie ein in eine faszinierende, ästhetische und spannende Unterwasserwelt und erfahren Sie mehr über diese geheimnisvollen Tiere.
Inhalt
Zu Beginn ordnet das Buch die Walarten den Säugetieren zu und erklärt ihre frühere terrestrische Lebensweise. Es wird zwischen Zahnwalen und Bartenwalen unterschieden und die wichtigsten Körperteile benannt, die im Anschluss farbigen Zeichnungen zugeordnet werden sollen. Die Intelligenz und Empfindsamkeit der Tiere wird anhand ihres sozialen Verhaltens sowie ihrer Kommunikation über Gesänge vom Ultraschall- bis in den Infraschallbereich erläutert. Die unterschiedliche Ernährungsweise wird anhand von Illustrationen der Beute veranschaulicht und in kleinen Rätseln abgefragt. Sehr einfühlsam wird zudem die Pflege der Walbabys erklärt.
Die verschiedenen Bartenwale wie Blauwal, Buckelwal und Seiwal werden anhand von detaillierten, lebendigen Zeichnungen mit kurzen Porträts zu Länge, Gewicht, Vorkommen vorgestellt, die mit interessanten Fakten ergänzt werden. Die Artenporträts der Zahnwale sind sehr spannend und detailliert. Einige Arten wie der Blainville-Schnabelwal oder der Vaquita dürften selbst den meisten Erwachsenen nicht bekannt sein. Der Gewöhnliche Schweinswal wird als deutscher Vertreter der Zahnwale separat mit Beobachtungstipps an der Nordseeküste eingeführt. Von den Delfinen werden insgesamt elf Arten kurz und ihre besonderen Lebensweisen vorgestellt. Besonders schön ist hier die Skizze eines Orcas zum eigenen kolorieren.
Um das Gelernte zu vertiefen und zu üben, werden zunächst 17 der vorgestellten Walarten nebeneinander dargestellt, sodass die aufgeführten Namen der entsprechenden Art zugeordnet werden können. Dies bedarf durchaus einiger Übung und fördert erfahrungsgemäß ein nachhaltiges Lernen. Für die Zuordnung der Fluken (Schwanzflossen) werden hilfreiche Tipps gegeben, die logisches Denken erfordern. Die Identifizierung der Arten in ihrem natürlichen Lebensraum erfolgt häufig über die Finnen (Rückenflossen). Im Buch gibt es hierfür ein Memory-Spiel mit Detailaufnahmen der Flossen. Für die Farbe und Struktur der Haut müssen Detailzeichnungen mit den Artenporträts abgeglichen werden. Besonders spannend ist die Identifizierung einzelner Individuen anhand der einzigartigen Färbung der Fluken. Das Buch lädt dazu ein, selbst Muster auf Fotos der Fluken zu ergänzen.
Die jährlichen, beeindruckenden Wanderungen der verschiedenen Arten zwischen Arktis und Antarktis werden eindrücklich auf einer großen Karte dargestellt. Zudem gibt es Informationen darüber, wo welche Arten am besten anzutreffen sind. Zur Auflockerung des Lerninhalts folgt ein Reisespiel sowie eine Möglichkeit zum Malen. Auch hier werden spannende Fakten aus dem Reich der Wale vermittelt. Anschließend tauchen die Leserinnen und Leser in die verschiedenen Lebensräume ein, die von Walen genutzt werden. Hier werden unter anderem polare Ökosysteme, Kelpwälder und Korallenriffe erklärt, und Bilder müssen entsprechend zugeordnet werden. Besonders spannend ist der Pottwal in der Tiefsee, dessen Beutetiere von den Lesenden zunächst selbst gezeichnet werden dürfen. Anspruchsvoller ist die Einordnung eines Dutzends Walarten nach ihrer Größe; hierfür muss wieder in den detaillierten Artenporträts recherchiert werden.
Die Bedeutung von Walen für den Nährstoffkreislauf in den Weltmeeren und für das globale Klima wird in einem großen Schaubild sehr anschaulich dargestellt und vermittelt auch komplexere ökologische Zusammenhänge auf verständliche Weise.
Zum Schluss animiert das Buch die Leserinnen und Leser dazu, selbst Wale zu beobachten und auf die gelernten Merkmale zur Artbestimmung zu achten. Diese Beobachtungen können anschließend in einem Bild nachträglich selbst gemalt werden. Sehr schön ist die Liste des dafür notwendigen Equipments, das
ebenfalls ausgemalt werden kann. Ein Vorschlag für ein eigenes Waljournal, in dem alle wichtigen Merkmale und Lebensweisen der Arten eingetragen werden können, legt einen sehr guten Grundstein für spätere Naturbeobachtungen. Um diese Beobachtungen auch illustrieren zu können, wird zudem eine Anleitung zum Zeichnen eines Wales mit an die Hand gegeben.
Am Ende des Buches gibt es ein Reiseabenteuer-Quizspiel, bei dem das Wissen der Leserinnen und Leser geprüft wird. Die Spieler dürfen die gewürfelte Augenanzahl ziehen und müssen auf den entsprechenden Feldern Fragen beantworten oder pausieren. Gemeinsam mit weiterem Platz zum eigenen Malen schließt das Buch in gewohnt lehrreicher und verspielter Weise ab. Die Lösungen für alle Fragen im Buch sind sinnvoll auf den letzten Seiten aufgeführt.
Eine wirklich tolle Ergänzung zu den vielen Informationen im Buch bietet das umfangreiche Online-Angebot auf der Internetseite. Unter „Tipps“ werden Links, etwa zu Whale Trust, aufgelistet, unter denen die Gesänge von Walen angehört werden können. Auf bluecorridors.org lassen sich auf einer interaktiven Weltkarte anhand von GPS-Daten die Wanderrouten verschiedener Walarten verfolgen. Beobachtungsmöglichkeiten und weitere Aktionen in Deutschland werden unter anderem mit den Wilhelmshavener Schweinswaltagen vorgestellt. Unter „Nützliche Links“ werden das Ozeaneum Stralsund und das Nationalpark Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven präsentiert. Hier werden ausdrücklich Einrichtungen aufgeführt, die auf wissenschaftlicher Basis den Schutz der Meeressäuger vorantreiben. Wie schon im Buch steht auch hier ein professioneller Umweltbildungsansatz im Mittelpunkt. Unter „Bonusspiele und
Mitmachspaß“ stehen zusätzliche Angebote in Form von Ausmalbildern und Origami-Anleitungen zur Verfügung. Im Vordergrund steht jedoch – wie ich finde völlig zu Recht – der Umweltbildungsansatz.
Fazit
Das Buch Wale. Geheimnisvolle Riesen erschien im September 2026 bei Léman Publishing im großformatigen Hardcover (27×34 cm) und reiht sich in die Abenteuer-Spielbücher-Serie ein. Das aktuelle Werk der spanischen Autorin Rena Ortega entführt mit seinen zahlreichen naturnahen und zugleich verspielten Illustrationen in eine faszinierende Unterwasserwelt, die Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in ihren Bann zieht.
Im Verlauf des Buches eröffnet sich eine beeindruckende Vielfalt an spannenden Fakten über die Biologie und Lebensweise verschiedener Walarten. Neben bekannten Rekordhaltern wie Blauwal und Pottwal werden auch seltene und stark gefährdete Arten wie der Vaquita vorgestellt. Spielerisch werden grundlegende Fähigkeiten zur Beobachtung und Identifizierung der einzelnen Walarten vermittelt, sodass sich Wissen und Neugier ideal ergänzen. Der Schwerpunkt auf dem Schutz mariner Ökosysteme und ihrer Bewohner ist klar erkennbar. Wünschenswert wäre lediglich eine etwas ausführlichere Behandlung der historischen und aktuellen Bejagung als zentrale Ursache für den Rückgang vieler Arten. Regelmäßig eingestreute Quizze, kleine Spiele und kreative Pausen sorgen für Abwechslung und vertiefen das Gelernte. Das Buch eignet sich für Kinder ab sieben Jahren, spricht mit seinen fundierten Informationen aber ebenso
Erwachsene an. Das ergänzende Online-Angebot erweitert den Lernraum um spannende Inhalte zu Walgesängen, Beobachtungsmöglichkeiten in Deutschland und dem Schutz der Meeresriesen.
Weiterführende Informationen
- Mark Carwardine (2003). Wale und Delfine in europäischen Gewässern. Beobachten, Bestimmen, Erleben. 1. Auflage. Bielefeld: Delius Klasing Verlag. 192 Seiten. isbn: 978-3-7688-1456-4
- Whale Trust
(https://whaletrust.org/humpback-whale-song) - Wilhelmshavener Schweinswaltage (https://www.schweinswaltage.de)
- Ozeaneum Stralsund
(https://www.deutsches-meeresmuseum.de)

20
Sep
2026
Der Spatz. Ein kleiner Vogel mit grosser Geschichte
Glenn-Peter Sætre (2026)
Der Spatz. Ein kleiner Vogel mitgroßer Geschichte.
Haupt Verlag Bern, Schweiz. 225 Seiten.
ISBN: 978-3-258-08470-1.
https://haupt.ch/der-spatz/2329783258084701
Bibliografische Angaben
Das Buch Der Spatz. Ein kleiner Vogel mit großer Geschichte von Glenn-Peter Sætre erschien im September 2026 im Haupt Verlag. Das handliche Hardcover-Buch führt auf 223 Seiten tief in die Biologie, Verhaltensweisen und Ökologie verschiedener Sperlingsarten weltweit ein. Die Frage nach der Besiedlung des Kulturraums und der damit einhergehenden Domestikation mancher Arten wird intensiv behandelt. Dafür bedient sich der Autor 270 biologischer, archäologischer und etymologischer Studienergebnisse aus den letzten 200 Jahren. Für die Illustrationen werden markant gezeichnete schwarz-weiße Abbildungen und sechs farbige Bildertafeln verwendet. Ein ausführlicher Index am Ende des Buches ermöglicht zudem die Nutzung als Nachschlagewerk.
Inhalt
Im ersten Kapitel Der Sperling auf der Landkarte wird die Korrelation zwischen der Verbreitung der Sperlinge und den indogermanischen Sprachen eingeführt. Der Autor stellt zwei mögliche Erklärungen vor: Die Verbreitung der Sperlinge folgte der Ausbreitung des Ackerbaus (Anatolien-Hypothese) oder sie folgten den Pferden der Jamnaja-Kultur (Steppen-Hypothese).
Das zweite Kapitel Die indoeuropäischen Ursprünge greift diese beiden Hypothesen auf und untersucht die Ursprünge der indoeuropäischen Sprache. In ausführlicher und fachlich anspruchsvoller, aber dennoch anschaulicher Weise wird die (Neu-)Besiedlung Westeuropas beschrieben. Schwerpunkte sind die Nutzung von Pferd und Wagen durch die Jamnaja-Kultur sowie die auffälligen Parallelen in Sprache und Glaubenswelt zwischen der skandinavischen und der indischen Kultur. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild der Gesellschaften der Bronzezeit.
Das Kapitel Spatzenspuren in Sprache und Literatur vertieft diesen Ansatz. Ausgehend von einer gotischen Bibelübersetzung werden die Bezeichnungen für den Spatz in mehreren historischen und rezenten Sprachen verglichen. Der Einstieg in die Entwicklung der Zivilisation als Lebensraum für den Spatzen beginnt im alten Ägypten, unterstützt durch anschauliche Farbtafeln. Spannend ist die Darstellung des Verfalls der bronzezeitlichen Kulturen mit dem Aufkommen der ersten Bauern und dem Beginn der Antike. Zahlreiche schriftliche Überlieferungen griechischer und römischer Autoren werden genutzt, um anhand von Zeichnungen typisches Verhalten der Spatzen zu erklären. Im Mittelpunkt steht der Spatz als Metapher für Fruchtbarkeit. Das Kapitel schließt mit einer dritten Hypothese, nach der einst getrennte Spatzenpopulationen über die Ausbreitung des Ackerbaus wieder vereint wurden.
Im Kapitel Eulen in der Höhle führt der Autor zu den ältesten Funden von Haussperlingen und Weidensperlingen und ordnet diese als mögliche Kommensalen der Natufien des Neolithikums ein. Die Verbreitung während des Mesolithikums wird anhand weiterer Funde diskutiert. Für die Antike wird eine Vielzahl von Funden genannt und die Hypothese einer Ausbreitung im Mittelmeerraum über Schiffe aufgestellt. Das Kapitel endet mit einer Einschätzung der Existenz der Art vor dem Aufkommen der Hochkulturen und einer späteren Neubesiedlung Europas durch den Haussperling. Damit wird ein umfangreicher Versuch unternommen, die Ursprünge des Sperlings mithilfe philologischer und archäologischer Studien einzuordnen.
Das Kapitel Die Sperlingsfamilie stellt verschiedene Sperlingsarten weltweit vor und beschreibt neben morphologischen Besonderheiten vor allem die Anpassungen an extreme Lebensräume. Beispiele sind der Wüstensperling und der endemische Sokotrasperling. Artenportraits beleuchten Kulturfolger wie den Weidensperling als potenziellen landwirtschaftlichen Schädling, den konkurrenzstarken Kapverdensperling und den anpassungsfähigen Feldsperling. Letzterer hat in China eine 9.000 Jahre alte Kulturgeschichte und wurde durch den Spatzenkrieg unter Mao Zedong berühmt.
Im Kapitel Der Italiensperling wird die Art als stabiler Hybrid von Weiden- und Haussperling beschrieben. Besonders interessant sind die ausführlichen Erklärungen zur mitochondrialen DNA als Werkzeug zur Aufklärung der Hybridisierung. Die Entstehung der eigenen Art wird auf die Besiedlung durch den Menschen zurückgeführt, was durch etymologische und archäologische Befunde gestützt wird. Die genetische Arterhaltung aufgrund von Fortpflanzungsbarrieren wird detailliert erläutert.
Das Kapitel Armes, graues Vögelein, Phallus und Getreidedieb zeigt die Bedeutung der Sperlinge als Symbol in verschiedenen Kulturen. Spannend sind die Parallelen zwischen dem Untergang des Römischen Reiches und der Anzahl archäologischer Funde von Sperlingen. Für das Mittelalter wird die Verwendung im Christentum dargestellt und Texte aus Hamlet sowie der Gebrüder Grimm herangezogen. Amüsant und befremdlich wirken historische Berichte über den Verzehr von Sperlingen, insbesondere als Aphrodisiakum. Umso schöner sind Darstellungen von Nisthilfen aus dem 16. Jahrhundert. Für das 18. Jahrhundert werden europaweite Kampagnen zur Dezimierung von Sperlingen und die ökologischen Ursachen der damals großen Populationen beleuchtet.
Das Kapitel Schöne Neue Welt führt in die Zeit der Industrialisierung und zeigt, wie Sperlinge von den veränderten Lebensbedingungen profitierten und wie eine rationalere Einordnung der Arten in der Wissenschaft Einzug hielt. Eindrücklich ist die Ansiedlung von Sperlingen in Nordamerika und deren Verbreitung mit dem wachsenden Schienennetz. Ausführlich wird der Amerikanische Spatzenkrieg und die Argumente der Befürworter und Gegner der Ansiedlung im späten 19. Jahrhundert dargestellt. Anschließend werden Parallelen zur Ansiedlung und Bekämpfung in Australien gezogen. Das Kapitel endet mit der Besiedlung Sibiriens und Nordasiens.
Das Kapitel Moderne Zeiten stellt Forschung aus dem 19. Jahrhundert vor, die den selektiven Druck auf eingeführte Spatzenpopulationen in den USA untersucht. Erkenntnisse aus den 1960er Jahren zu Körpermaßen und Gefiederfärbung trugen zur Evolutionstheorie bei. Spannend ist die aktuelle Forschung zur Anpassung an neue Nahrungsquellen und zum sozialen Lernen bei Haussperlingen. Die Entschlüsselung des Haussperling-Genoms wird als wichtiger Schritt hervorgehoben. Der Rückgang der Sperlinge in urbanen Gebieten wird mit dem Fehlen von Pferdekot zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Industrialisierung der Landwirtschaft erklärt. In neuerer Zeit werden der Verlust von Brutnischen, Umweltgifte, Prädationsdruck durch Haustiere und der Rückgang der Insektenmasse genannt.
Im abschließenden Kapitel Ein Spatz aus einer anderen Zeit geht es um wilde Populationen von Haussperlingen im Iran und ihre natürliche Lebensweise. Unterschiede zwischen wilden und menschennahen Populationen werden herausgearbeitet: Wildvögel ziehen und produzieren nur eine Brut pro Jahr. Unterschiede in der Schädelanatomie werden erläutert. Vertieft wird dies durch eine Darstellung der genetischen Varianz zwischen Wildtieren und domestizierten Sperlingen. Die genetische Varianz globaler Populationen dient als Grundlage für die Einteilung in zwei mögliche Unterarten des Haussperlings. Mithilfe genetischer Uhren wird die Trennung und spätere Vereinigung dieser Unterarten zeitlich eingeordnet. Abschließend werden die Erkenntnisse genutzt, um die eingangs gestellten Fragen zur Besiedlung des Kulturraums durch den Sperling mithilfe des Menschen zu beantworten.
Fazit
Das Buch Der Spatz. Ein kleiner Vogel mit großer Geschichte von Glenn-Peter Sætre meistert beeindruckend den Spagat zwischen Biologie und Anthropologie und wird den komplexen Wechselwirkungen in der Kulturgeschichte der Sperlinge mehr als gerecht. Es liest sich, als würde man von einem Rabbit Hole ins nächste springen. Die sprunghafte, aber spannende Darstellung der verschiedenen Themenbereiche fordert Konzentration, macht es aber schwer, sich den anschaulichen Schilderungen zu entziehen. Die Erkenntnisse aus historischer und moderner Forschung sowie die Ausführungen zur Entwicklung der menschlichen Spezies vermitteln eine Tiefe, wie man sie aus guter populärwissenschaftlicher Literatur kennt. Sætre gelingt es, die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Sperling darzustellen und dennoch einem roten Faden zu folgen. Eine klare Empfehlung für alle, die vielseitig interessiert sind und die Geschichte der Mensch-Natur-Beziehungen besser verstehen möchten.
Weiterführende Informationen
• Eva Goris, Claus-Peter Hutter und Bernd Pöppelmann (2022). Federleicht: das erstaunliche Leben der Spatzen. Originalausgabe,
Deutsche Erstausgabe. München: Wilhelm Heyne Verlag. 222 Seiten. isbn: 978-3-453-28138-7
• Uwe Westphal (2017). Mehr Platz für den Spatz! Spatzen erleben, verstehen, schützen. Mit Bauanleitungen für Nisthilfen.
Unter Mitarbeit von Christopher Schmidt. 2. Auflage. Darmstadt:
Pala Verlag. 192 Seiten. isbn: 978-3-89566-353-6
• LBV e.V.-Projekt Botschafter Spatz,
Webseite: https://botschafter-spatz.de/

14
Sep
2026
Glühwürmchen. Geheimnissvolle Leuchtwesen der Nacht.
Stefan Ineichen (2026).
Glühwürmchen. Geheimnisvolle Leuchtwesen der Nacht.
1. Auflage. Bern: Haupt Verlag. 160 Seiten.
ISBN: 978-3-258-08466-4.
https://haupt.ch/gluehwuermchen/2329783258084664
Bibliografische Angaben
Das Buch Glühwürmchen. Geheimnisvolle Leuchtwesen der Nacht von Stefan Ineichen erschien im September 2026 im Haupt Verlag. Das Buch im handlichen Hardcover-Format zeigt auf 160 Seiten eindrücklich die Evolution und Biologie der faszinierenden Insekten und schildert die Bedeutung der Tiere in der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts und ihre besondere Rolle in der japanischen Geschichte. Die Farbkomposition der einzelnen Kapitel ist elegant gewählt und entspricht der Ästhetik, die
viele Menschen mit Glühwürmchen verbinden. Die ganzseitigen Bilder veranschaulichen passend die jeweiligen Inhalte und reichen von detaillierten Makrofotografien bis hin zu historischen Gemälden Japans.
Einleitung
Das Buch ist in drei Kapitel gegliedert:
- 1. Schneckenjagd bei Dunkelheit
- 2. 20th Century Blues
- 3. Schönheit und Trauer.
Im ersten Kapitel 1. Schneckenjagd bei Dunkelheit wird die Entwicklungsgeschichte der Glühwürmchen und ihre heutige Vielfalt erklärt. Bemerkenswert sind die Funde von 100 Millionen Jahre alten Funden in Bernstein. Kurz wird die heutige Anzahl der Arten und ihre geografische Verbreitung aufgegriffen. Schön sind die kurzen Artenportraits der drei im deutschsprachigen Raum verbreiteten rezenten Arten, die mit detaillierten Makroaufnahmen visualisiert werden. Die Erklärung der biochemischen Prozesse, die das Leuchten ermöglichen, ist sehr kurz gehalten und allgemein verständlich. An dieser Stelle sei auf ein tieferes Studium der Forschung verwiesen, da die Reaktion eine der komplexesten bekannten chemischen Reaktionen in der Natur ist. Das Paarungsverhalten wird anschaulich beschrieben und differenziert. Wichtige Fakten wie die Giftigkeit der Arten, ihre Nahrungsquellen und Lebensraumansprüche werden korrekt erläutert. Der erste Bezug zur Kulturgeschichte wird mit der Verwendung des Auftretens von Glühwürmchen als Kalendertiere in der Landwirtschaft der vergangenen Jahrhunderte geschaffen. Sehr wichtig und eindrücklich wird die Auswirkung von nächtlicher Beleuchtung auf das Paarungsverhalten der Insekten beschrieben und als einer von vielen Gründen für deren Rückgang in der Kulturlandschaft erklärt. Im letzten Abschnitt wird die weltweite Verbreitung einzelner Arten beschrieben, die in ihren neuen Verbreitungsgebieten ökologischen Auswirkungen haben können.
Das zweite Kapitel 2. 20th Century Blues beleuchtet die Bedeutung von Glühwürmchen in der Musik, Kunst und Kultur in Europa von Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Moderne. Zu Beginn werden Glühwürmchen als Wegweiser der Verliebten aufgeführt, illustriert durch die Gemälde von Franz von Stuck. Parallel dazu werden die Parallelen zu Prostituierten aufgezeigt. Die Glühwürmchen Idylle als Teil der Operette von Paul Lincke leitet in die Wirren des ersten und zweiten Weltkrieges, bei denen die
Insekten als Analogon für Widerstandskämpfer oder Geschützhagel dienen. Die Geschichten über die Kunst in den Konzentrationslager der NS-Zeit gehen unter die Haut und zeigen, wie die Tiere auch in den dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte Hoffnung schenken. Für die Nachkriegszeit werden kurze Beispiele für die Rock- und Popkultur vorgestellt. Im Abschluss des Kapitels wird das Verschwinden der Glühwürmchen als Zeichen des fortschreitenden Kapitalismus und der damit einhergehenden Umweltzerstörung in den Mittelpunkt gerückt. Aktuelle Entwicklungen wie die zunehmende Radikalisierung von Regimen und Regierungen weltweit fördern wieder die Identifizierung einzelner Freiheitskämpfer mit dem Leuchten der
Glühwürmchen.
Im Kapitel 3. Schönheit und Trauer schlägt der Autor die Brücke zur Kulturgeschichte der Glühwürmchen in Japan. Die ältesten vorgestellten Aufzeichnungen reichen mit der Geschichte des Prinzen Genji zurück ins 11. Jahrhundert. Aus dem 12. Jahrhundert werden traditionelle Tanka und Haiku vorgestellt. Aus der Edo-Periode werden ästhetische Farbholzschnitte von Frauen bei der Glühwürmchenjagd gezeigt. Schön ist, dass auch hier kurz die wichtigsten Arten mit Lebensweisen vorgestellt werden. Dass Glühwürmchen auch noch heute eine große Bedeutung in
der japanischen Kultur haben, zeigt sich in den bekannten
Volksliedern, die im Text beschrieben werden. Einhergehend mit der Öffnung Japans nahm sogar das Fangen von Glühwürmchen industrielle Züge an. Es werden Beispiele für diese Praxis aus Aufzeichnungen und Literatur vorgestellt. Seit den 1950ern Jahren werden in ganz Japan Firefly Festivals veranstaltet, bei denen in Parks gezielt angesiedelte Glühwürmchen nachhaltig beobachtet werden können. Bei dem großen Festival in Tatsuno überwiegen jedoch wirtschaftliche Interessen. Daraufhin wird der Verlust naturnaher Kulturlandschaft als wichtigster Treiber des Rückgangs der Glühwürmchen erklärt. Zum Abschluss wird der bekannte Anime Die letzten Glühwürmchen aufgegriffen,
der die Glühwürmchenkultur in Japan weltweit bekannt macht und wieder die kleinen Insekten als Hoffnungsträger in den Wirren der Kriegsjahre herausstellt.
Einordnung der Biologie
Das Buch gibt einen guten Einblick in die Biologie und Lebensweise von den verschiedenen Glühwürmchen. Insbesondere Schnecken als Nahrungsquelle, die Giftigkeit der Larven und Käfer und die Blinkmuster werden richtig vorgestellt. Lebensraumverlust und Industrialisierung als Grund für den Rückgang der Bestände werden hervorgehoben. Spannend sind die Hinweise auf die Rolle der Glühwürmchen im Nahrungsnetz. Die chemische Reaktion der Biolumineszenz wird leider nur sehr oberflächlich erklärt
Einordnung der Kulturgeschichte
Das Buch deckt mit den Beispielen für Kunst, Kultur und Literatur eine weite zeitliche und geographische Spanne ab. Für die beiden Kapitel zu Europa und Japan wurde eng mit Experten der jeweiligen Gebiete zusammengearbeitet. Auch bei einem geringen Fachwissen zu dem Thema machen die Kapitel Spaß zu lesen und veranschaulichen die vorgestellten Beispiele gekonnt mit gut ausgewählten Illustrationen.
Fazit
Das Buch Glühwürmchen. Geheimnisvolle Leuchtwesen der Nacht von Stefan Ineichen erschien im September 2026 im Haupt Verlag. Drei Kapitel führen in die Entwicklung, Ökologie und Biologie der Glühwürmchen und erklären anhand von ästhetischen Beispielen die Bedeutung der Tiere in Europa im 20. Jahrhundert und im Japan der letzten eintausend Jahre. Das Buch lädt dazu ein, sich intensiver mit der Interaktion und Wahrnehmung von Natur und Menschheit zu beschäftigen. Die Beispiele sind anschaulich illustriert und bieten einen Einstieg in viele Aspekte der menschlichen Nutzung der Natur und welche
Hoffnung sie in schwierigen Zeiten der Gesellschaft schenken kann. Das Buch eignet sich weniger als Fachbuch für Insekten-Interessierte als mehr für Interessierte an Mensch-Natur-Interaktionen.
Weiterführende Informationen
- Sara Lewis (2017). Leuchten in der Stille: über Glühwürmchen und das Glück des Moments. Übersetzt
von Regina Schneider. Köln: Lübbe. 239 Seiten.
isbn: 978-3-431-03984-9 - www.gluehwuermchen.ch

10
AUG
2026
Leuchtwelt
Katja Gerischer (2026). Leuchtwelt.
Erste Auflage. Mannheim: kunstanstifter.
48 Seiten. isbn: 978-3-948743-60-4.
url: https://kunstanstifter.de/buecher/leuchtwelt
Zielgruppe
Das Buch eignet sich fur Kinder ab fünf Jahren. Als Silent Book ist Leuchtwelt sehr niedrigschwellig und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, die Bilder gemeinsam mit Kindern zu betrachten und zu interpretieren. Die Wahl der Komplementärfarben Blau und Gelb erzeugt starke Kontraste zwischen dem dunklen Vogel und den hellen Lichtern der Stadt. Die Szenen werden subtil inszeniert und laden dazu ein, die Bilder genau zu betrachten, um der Geschichte folgen zu können. Die dargestellten Situationen sind dabei realitätsnah und ermöglichen es, ähnliche Beispiele
in der eigenen Umgebung gezielt zu entdecken und zu benennen. Das Buch motiviert dazu, die vertraute Stadt mit anderen Augen zu sehen. Ohne Worte, dafür mit vielen ungewohnten Perspektiven. Leuchtwelt veranschaulicht eindrucksvoll, dass die Natur nicht an den Stadtgrenzen endet und dass jede und jeder Einzelne im eigenen Umfeld zum Schutz der Vögel und der Umwelt beitragen kann. Darüber hinaus eignet sich das Buch hervorragend für den Einsatz in Kindergärten und Grundschulen,
um Kindern die Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf die Natur vor ihrer Haustür anschaulich zu vermitteln.
Bibliografische Angaben
Das Buch Leuchtwelt erschien am 24.06.2026 im Verlag kunstanstifter als Silent Book im Hardcover-Format. Der Verlag produziert seine Bucher in Deutschland, verzichtet auf umweltschädliche Mineralöle und Folierungen und unterstutzt verschiedene Naturschutzprojekte. Damit fügt sich das Werk nahtlos in das vielfältige Programm des kunstanstifter-Verlags ein, der für seine kreativen und außergewöhnlichen Bilderbücher bekannt ist. Auf 48 Seiten entfuhren digital kolorierte Illustrationen, die auf Kohle- und Bleistiftzeichnungen basieren, die Leserinnen und Leser in das nächtliche Abenteuer eines Zugvogels in einer hell erleuchteten Stadt.
Einleitung
Der Vogelzug gehört zu den beeindruckendsten Naturphänomenen der Welt. Jedes Jahr legen Millionen Zugvögel weite Strecken zwischen ihren Brut- und Überwinterungsgebieten zurück. Viele Arten ziehen nachts und orientieren sich dabei unter anderem an den Sternen. Künstliche Beleuchtung kann diese Orientierung erheblich beeinträchtigen und Vögel in dicht besiedelte Gebiete locken, wo sie erschöpfen oder mit Gebäuden
kollidieren. Lichtverschmutzung zählt daher zu den bedeutenden menschengemachten Gefahren für Zugvögel und steht zunehmend im Fokus von Naturschutz und Gesetzgebung.
Storyline
Hauptfigur der Geschichte ist ein Zugvogel, der während des nächtlichen Vogelzugs durch einen Sturm von seinem Schwarm getrennt wird. Auf der Suche nach Orientierung folgt er einem Lichtschein am Horizont. Vor ihm breitet sich ein Netz aus Lichtern aus, und schon bald gerät er in die hellen Lichtkegel von Himmelsstrahlern. Das Licht, das Flugzeugen den Weg
zum Flughafen weist, lockt den Vogel immer tiefer in das Einzugsgebiet der Stadt. Auf seinem Weg durchquert er die Randbereiche der Stadt mit ihren Straßenlaternen, Häusern und Autos. Schließlich eröffnet sich ihm das Lichtermeer der Innenstadt. Selbst der Himmel scheint durch die künstliche Beleuchtung zu glühen, sodass der Vogel seinem Instinkt folgend immer weiter in die Stadt hineinfliegt. Zwischen den beleuchteten Hochhäusern verliert er angesichts der Vielzahl an Fenstern zunehmend
die Orientierung. Auf den Straßen begegnet er dem Verkehr und den blendenden Scheinwerfern der Fahrzeuge. Selbst nach der Landung findet er keinen dunklen Rückzugsort, sondern bleibt von künstlichem Licht umgeben. Für die Leserinnen und Leser wird so nachvollziehbar, wie schnell ein Zugvogel unter
solchen Bedingungen die Orientierung verlieren kann. Auf der Suche nach einem Ausweg folgt der Vogel einem Gewässer, wie es Zugvögel seit Jahrtausenden tun. Doch selbst das Wasser reflektiert die Lichter der Umgebung. Erst als er auf einem Schiff landet, kehrt allmählich Dunkelheit ein. Die Rückkehr der Nacht wirkt dabei auch auf die Betrachtenden beinahe befreiend. Nun spiegeln sich wieder Sterne auf der Wasseroberfläche. Der Vogel gewinnt seine Orientierung zurück, findet seinen Schwarm und setzt den Zug fort, geleitet vom Licht der Milchstraße. Am Ende erläutert der einzige Text des Buches, dargestellt auf beleuchteten Reklameschildern, das Phänomen der Lichtverschmutzung und zeigt auf, wie jede und jeder Einzelne zu seiner Verringerung beitragen kann.
Fachliche Einordnung
Das Buch verdeutlicht eindrucksvoll die realen Gefahren, denen Zugvögel auf ihrem nächtlichen Zug ausgesetzt sind. Werden sie von Schlechtwettereignissen überrascht, sind viele Arten gezwungen zu landen und finden sich dabei nicht selten im Siedlungsraum wieder. Die im Buch dargestellten Lichtquellen, darunter Himmelsstrahler, Straßenlaternen, Gebäudebeleuchtungen und Fahrzeuglichter, entsprechen dabei den tatsächlichen Verhältnissen in urbanen Räumen. Durch Staub- und
Feuchtigkeitspartikel in der Atmosphäre entstehen über Städten sogenannte ”Lichtglocken“, die noch aus mehreren Kilometern Entfernung sichtbar sind und auf viele Vogelarten eine anziehende Wirkung ausüben können. Während künstliche Beleuchtung dem Menschen Orientierung und Sicherheit in der Nacht bietet, beeinträchtigt sie die natürlichen Orientierungssysteme sowie den Biorhythmus zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Lichtverschmutzung zählt zu den wichtigsten Ursachen für Vogelkollisionen an Glas und kostet jedes Jahr Millionen von Vögeln das Leben. Doch nicht nur Zugvögel sind betroffen: Auch Fledermäuse und Insekten werden durch nächtliche Beleuchtung beeinträchtigt, da hell erleuchtete Bereiche für viele Arten schwer ¨überwindbare Barrieren darstellen.
Fazit
Mit Leuchtwelt hat der kunstanstifter-Verlag ein ästhetisch anspruchsvolles Bilderbuch zu einem hochaktuellen Umweltproblem veröffentlicht. Die Geschichte eignet sich hervorragend, um Kindern die Auswirkungen nächtlicher Lichtverschmutzung auf die Natur anschaulich und altersgerecht näherzubringen. Dabei beweist die Autorin Katja Gerischer nicht nur großes künstlerisches Können, sondern greift auch ein in der Öffentlichkeit bislang wenig beachtetes Umweltproblem auf. Besonders beeindruckend ist, wie es dem Buch gelingt, ohne Worte Verständnis und Empathie für die Herausforderungen des Vogelzugs zu wecken. Die nachhaltige Produktion des Buches unterstreicht zudem dessen Botschaft und macht Leuchtwelt nicht nur zu einer Geschichte über Umweltschutz, sondern auch zu einem Beispiel dafür, wie verantwortungsvolles Handeln praktisch umgesetzt werden kann.
Weiterfuhrende Informationen
- Schröter-Schlaack Christoph (Juni 2020). Lichtverschmutzung Ausmaß, gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen sowie Handlungsansätze. Endbericht zum TA-Projekt 186. Berlin: Büro fur Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Seite 200.
https : / / www . tab - beim - bundestag . de /
projekte_lichtverschmutzung- ausmass- gesellschaftlicheund - okologische - auswirkungen - sowie - handlungsansatze . - Martin Rössler (2022). Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht. Dritte Auflage. Schweizerische Vogelwarte Sempach.
https : / / www . lbv . de / files / user _ upload / Dokumente /Positionen%20und%20Politika/Vogelschlag/Brosch%C3%BCre%
20Glas%20Vogeltod%20am%20Fenster%20LBV.pdf - Benedikt Huggins und Bundesamt fur Naturschutz (2024). “Der naturschutzrechtliche Schutz der Nacht – Bestand und Fortentwicklung der Schutzregime und -konzepte zum Schutz vor künstlichem Licht”. In: Natur und Landschaft. doi: 10.19217/NUL2023-09-02.
https://bfn.bsz-bw.de/1808

18
JUL
201z
Wildtiere am Haus. So gelingt das Miteinander
Michael Stocker, Sebastian Meyer und Iris Scholl (2026).
1. Auflage. Bern: Haupt Verlag. 192 Seiten.
ISBN: 978-3-258-08458-9.
https://haupt.ch/wildtiere-am-haus/2329783258084589?srsltid=AfmBOooL-xOpKhJ7cPPE6No2uXx3xQcf2ochd0ZQsxoYHtZiqc4ChsO0
1. Bibliografische Angaben
Das Buch „Wildtiere am Haus. So gelingt das Miteinander“ erschien im Mai 2026 im Haupt-Verlag. Das Buch gliedert sich in eine Reihe hochwertiger Fachbücher über Umwelt- und Naturschutz des Haupt Verlags (Bern) ein. Die Autoren Michael Stocker, Sebastian Meyer und Iris Scholl weisen jahrelange praktische Erfahrung im Bereich Naturschutz im Bau auf und vermitteln ihre Expertise verständlich für Experten und vorinformierte Laien.
2. Einleitung
Der Wunsch vieler Menschen, die Natur auch zu uns in die Städte einzuladen, wird seit Jahren immer lauter. Gleichzeitig zwingt die ausgeräumte industrielle Landwirtschaft immer mehr Arten, neue Lebensräume zu besiedeln und sich an den Menschen anzupassen. Doch was wir Menschen gut gemeint als Lebensraum anbieten, entspricht häufig nicht den Ansprüchen der Tiere. Auch ist nicht jede Art willkommen, und der Konflikt ist mit dem Einzug des Untermieters vorprogrammiert. Wie gelingt also der Spagat zwischen tiergerechten Unterkünften und moderner Architektur? Und können bauliche Maßnahmen so gestaltet werden, dass sie nicht zur ökologischen Falle für die Tiere werden? Das Buch zeigt anhand von Schutzmaßnahmen gegen Vogelschlag an Glas eine ganze Reihe etablierter und wirksamer Lösungen im Neubau und in der Sanierung auf – von integrierten
Nistmöglichkeiten bis zur Fassadenbegrünung.
3. Inhalt und Aufbau
Auf knapp 200 Seiten werden in acht Kapiteln die wichtigsten Wildtiere am Haus vorgestellt und bauliche Maßnahmen zu deren Schutz erklärt. In den ersten drei Kapiteln werden anhand ausführlicher Artenporträts die Ökologie der Arten sowie spezielle Schutzmaßnahmen aufgezeigt. Die Kapitel vier bis acht widmen sich der praktischen Umsetzung von Maßnahmen am Gebäude – von der Gebäudebegrünung bis zum Neubau.
Im ersten Kapitel „Vögel“ werden die Ökologie und das Verhalten von 15 Vogelarten erläutert. Neben den bekannten, häufigen Gebäudebrütern wie Mauersegler, Mehlschwalbe und Haussperling werden auch häufig vernachlässigte Arten wie Eulen, Buntspechte und Weißstörche behandelt. Die Eigenschaften der Arten werden in übersichtlichen Informationskästen kurz vorgestellt und durch weiterführende Fun-Facts ergänzt. Die Artinformationen sind wissenschaftlich fundiert und können mit vielen Bestimmungsbüchern mithalten. Für die Visualisierung werden aussagekräftige und hochwertige Aufnahmen der Arten in verschiedenen naturnahen Situationen verwendet. Für jede Art werden die Ansprüche an einen optimalen Nistplatz in Stichpunkten aufgelistet, was die Übersicht erleichtert. Die Beispiele hierfür werden in den vielen Abbildungen von Nistmöglichkeiten an verschiedenen Gebäuden eindrucksvoll illustriert. Ergänzt wird dies durch Zeichnungen der Nistmöglichkeiten an den Gebäuden, wobei Pfeile und detaillierte Skizzen der Installation eine schnelle Übersicht über die wichtigsten Details des Aufbaus liefern. Die Bedürfnisse der Anwohner und Wildtiere werden
in jedem Artenporträt in einem eigenen Absatz aufgeführt, ebenso wie Lösungen für ein einvernehmliches Miteinander.
Das zweite Kapitel "Insekten und Spinnen" befasst sich mit Wirbellosen Tieren, die häufig an Gebäuden anzutreffen sind. Für Wildbienen werden Tipps für hochwertige Nistmöglichkeiten aufgeführt und durch Vorschläge für eine naturnahe, insektenfreundliche Umgebung ergänzt. Da Wespen mit ihren Nestern an und in Gebäuden ein gewisses Konfliktpotenzial haben, werden praktische Tipps für den Umgang mit den Tieren geliefert. Hervorzuheben ist die Anleitung zur Unterscheidung der Arten anhand der Tiere und ihrer Nester, da nicht jede Art eines Managements bedarf. Die Expertise der Autoren und der Blick fürs Detail zeigen sich auch im Kapitel über die Mauerspinne, für die das Artenkapitel eine Lanze bricht, indem es auf die Harmlosigkeit der unscheinbaren Nester des Klimafolgers hinweist.
Im dritten Kapitel "Säugetiere" werden vornehmlich die Fledermäuse als heimliche und streng geschützte Arten behandelt. Gleich zu Beginn des Kapitels wird ausführlich zwischen den einzelnen Vertretern unterschieden und auf ihre Ansprüche eingegangen. So wird separat auf die Bedeutung von Dachstühlen für Wochenstuben und auf Arten eingegangen, die mit Spaltenquartieren unterstützt werden können. Auch hier wird an kritischen Stellen auf Experten und Behörden verwiesen. Der Siebenschläfer als ebenfalls streng geschützte Art wird differenziert behandelt. Neben einer ausführlichen Einführung in das Verhalten des Tieres werden Maßnahmen am und um das Gebäude zu seinem Schutz aufgeführt. Gleichzeitig werden wirksame, artenschutzkonforme Vergrämungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit diskutiert. Bei anderen konfliktträchtigen Arten wie dem Steinmarder und dem Waschbären stehen die Vergrämungsmaßnahmen im Mittelpunkt.
Im vierten Kapitel "Grünes" werden die Möglichkeiten der Gebäudebegrünung vorgestellt. Von der Fassadenbegrünung bis zu begrünten Dächern werden die Vorteile von Bepflanzung für das Stadtklima und die Artenvielfalt aufgezeigt. Auch hier zeigt sich die Fachexpertise und Detailgenauigkeit der Autoren. So werden beispielsweise auch Asseln und Schnecken als Arten aufgeführt, die von diesen Maßnahmen profitieren. Den technischen Herausforderungen der Fassadenbelüftung und einer stabilen Verankerung der Kletterhilfen werden die Vorteile von Dach-PV-Anlagen gegenübergestellt.
Im fünften Kapitel "Während der Sanierung" werden Maßnahmen zum Schutz bei An- und Abwesenheit von Gebäudebrütern während Sanierungsmaßnahmen detailliert erklärt. Hierfür gibt das Buch einen praktischen Ablaufplan und eine Übersichtstabelle mit kritischen Zeiten an die Hand. Als Schutzmaßnahmen werden Ersatzquartiere und der richtige Umgang mit Staubnetzen erläutert. Anhand hilfreicher Praxisbeispiele wird die Thematik verständlich visualisiert.
Kapitel sechs "Wärmedämmverbundsysteme" erläutert technisch detailliert die Installation von Nistmöglichkeiten an Fassaden mit WDVS). Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen bei der Installation von schweren Nisthilfen an mechanisch schwach belastbarer Dämmung.
In Kapitel sieben "Neubau" werden Maßnahmen für den Neubau erklärt. Im Text werden von Beginn an verschiedene Blickwinkel eingeführt, von denen aus die Planung erfolgt: Gebäude, Umgebung und Tierart. Als Handlungsleitfaden wird auch auf das etablierte Animal Aided Design verwiesen, aus dem verschiedene praktische Maßnahmen wie integrierte Nisthilfen vorgestellt werden. Kapitel acht widmet sich der Vermeidung und Entschärfung von Tierfallen. Die Thematik Vogelschlag an Glas wird ausführlich auf dem aktuellen Stand des Wissens behandelt. Es werden die Ursachen erläutert, warum es zu Kollisionen mit Glasscheiben kommt, und wie entsprechende Maßnahmen wirksam umgesetzt werden können. Grundlage sind die Empfehlungen der Wiener Umweltanwaltschaft, die seit vielen Jahren zu diesem Thema forscht. Auch die Problematik nächtlicher Beleuchtung wird aufgegriffen. Für Tierfallen wie Regenrinnen, Kellerschächte, Pools und Schornsteine werden einfache, wirksame Maßnahmen aufgezeigt.
4. Bewertung / Einordnung
Das Buch „Wildtiere am Haus. So gelingt das Miteinander“ ordnet sich in eine Reihe hochwertiger, praxisnaher und wissenschaftlich fundierter Fachbücher des Haupt-Verlags ein. Die größte Stärke des Buches liegt im interdisziplinären Ansatz, der sowohl den Bedürfnissen des Menschen als auch der Tiere gerecht wird. Hervorzuheben sind die gut recherchierten Artenporträts, deren allgemeine Informationen zur Ökologie hilfreiches
Fachwissen vermitteln. Die teils fachlich anspruchsvollen und manchmal trocken wirkenden Passagen zur Nistplatzgestaltung werden durch Infoboxen aufgelockert. Die vielen ausgewählten Bilder sind hochwertig und machen das Verhalten der Tiere anschaulich. Dadurch bleibt das Buch auch für Laien zugänglich. Das Thema Vogelschlag an Glas wird sehr gewissenhaft und auf aktuellem Stand bearbeitet. Eine kritischere Diskussion der Gebäudebegrünung und nächtlichen Beleuchtung als Risikofaktoren wäre jedoch wünschenswert. Trotz guter Struktur ist die Informationsdichte hoch, sodass stellenweise ein mehrmaliges
Lesen notwendig ist. Besonders technische Abschnitte können für Laien anspruchsvoll sein, bieten aber eine solide Grundlage für den Austausch mit Fachleuten.
5. Zielgruppe
Das Buch richtet sich an Naturschutzakteure, Behörden, Architekten, Bauherren und interessierte Laien. Ein gewisses Vorwissen zu Stadtnatur und Bauwesen ist hilfreich. Mit seinem interdisziplinären Ansatz schließt das Buch eine wichtige Lücke und hat das Potenzial, sich als Standardwerk zu etablieren.
6. Fazit
Das Buch „Wildtiere am Haus. So gelingt das Miteinander“ bietet einen eindrucksvollen Überblick über ökologisches Bauen und geht detailliert auf die Ansprüche der Tiere ein. Die Maßnahmen sind verständlich dargestellt und anschaulich visualisiert. Wer sich mit ökologischem Bauen beschäftigt, für den ist dieses Buch eine klare Empfehlung.

18
JUN
2026
Welche Vogelfeder ist das? die 111 häufigsten Arten
Hans-Heiner Bergmann und Ralph-Günther Lösekrug (2024). Welche Vogelfeder ist das? die 111 häufigsten Arten. Das will ich wissen!
Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag. 240 Seiten.
isbn: 978-3-494-01983-3.
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1071565954
Zusammenfassung
Federn sind beeindruckende Meisterwerke der Natur. Bereits viele Dinosaurier besaßen Federn und die Vögel als Nachfolger haben diese Strukturen perfektioniert. Das neue Buch \glqq Welche Vogelfeder ist das?\grqq\ vom Federexperten H.-H. Bergmann zeigt ausführlich, wie anhand von Form und Farben einzelne Federn von 111 heimischen Vogelarten zugeordnet werden können. Die wichtigsten Merkmale werden in knappen Texten eindeutig beschrieben. Detaillierte und hochwertige Fotos ermöglichen eine Unterscheidung von z.B. Arm- und Handschwingen. Das Buch eignet sich für Einsteiger und Fortgeschrittene Ornithologen und bietet trotz seines sehr günstigen Preises einen hohen
wissenschaftlichen Standard.

