Klimabiomonitoring

03
DEZ
2025

KlimChemAlps

Fachlicher Hintergrund

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) fragte im Sommer 2025 an, ob ich Interesse an einer Flechtenkartierung habe. Im Rahmen des Projektes KimChemApls soll ein Klimabiomonitoring von thermophile Flechtenarten im Landkreis Berchtesgaden und Garmisch-Partenkirchen erhoben werden.  Hierfür sollen vom Talgrund bis zum Grat alle 100 Höhenmeter an Laubbäumen die thermophilen Flechtenarten aufgenommen werden. Grundlage ist die VDI-Richtlinie 3957 Blatt 20. Für die Unterstützung habe ich meinen guten Freund und Exkursionskollegen Tobias Karlowski mit ins Boot geholt. Als Vegetationsökologe an der Salzburger Umweltanwaltschaft ist er nicht nur in der Lage anhand der vegetationsökologischer Erhebungen die kleinklimatischen Verhältnisse vor Ort abzuschätzen - er ist auch ein sehr guter Lichenologe, der die Flechtenerhebung nach VDI-Vorgaben bereits in seiner Masterarbeit durchgeführt hat. 

 

Begehung Landkreis Berchtesgaden
 

In einer ersten Begehung im Landkreis Berchtesgaden im November 2025 haben wir drei potenzielle Standorte auf ihre Eignung für das Monitoring hin untersucht: Den Eisbach bei Bartholomä am Königsee, das Klausbachtal und das Wimbachgries. Das Monitoring erfolgte dann Ende März 2026 im Klausbachtal. Ein später Wintereinbruch mit großen Schneemengen und die anhaltend hohe Lawinengefahr zwang uns das Monitoring auf 1.000 Höhenmeter zu beenden. Die Aufnahme der letzten Bäume bis auf 1.400 Höhenmeter werden wir im Herbst 2026 beenden.

Neben den für das Projekt relevanten Klimawandelzeiger-Arten Parmelia caperata, Parmelia soredians, Punctelia subrudecta, Parmotrema perlatum und Melanohalea elegans konnten wir eine ganze Reihe hochozeanische Flechtenarten nachweisen, die in ihrem Bestand extrem selten oder vom Aussterben bedroht sind. So zum Beispiel Lobaria pulmonaria, Heterodermia speciosa, Collema nigrescens, Sticta sylvatica, Parmeliella triptophylla und Pannaria connoplea. Die Arten sind aufgrund ihren hohen Ansprüchen an extrem saubere Luft vom Aussterben bedroht und wir finden diese meist nur an sehr alten, frei stehenden Bergahornen. Wir hoffen mit diesen zusätzlichen Erhebungen die Wissenslücken über die Verbreitung der Arten in den Alpen schließen zu können.

 

Begehung Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Für das Klimabiomonitoring im Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben wir im Vorhinein ausführliche Recherchen von potenziellen Flechtenstandorten durchgeführt. Der Bericht der BLAM-Jahresexkursion nach Ettal (Brackel et al. 2018) lieferte hierfür ausführliche Informationen über die Artenzusammensetzung im Graswangtal. Als besonders artenreich erwies sich das Kühalpental bei Graswang, dass im Juni 2026 über einen Transekt von 850 - 1850 Höhenmeter kartiert wurde. Die jahrhundertealte Bewirtschaftung als Waldweide förderte schuf beste Umweltbedingungen für die extrem seltene Flechtenarten hochozeanischer Bergwälder, wie sie auch schon in Berchtesgaden nachgewiesen werden konnten. 

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